Der Wert von Creative Commons und anderen Bildern

Heute wollen wir doch einmal ein paar Worte über den Wert von Bildern verlieren. Grundsätzlich ist die Preisgestaltung jedoch fast genauso individuell, wie die einzelnen Bilder selbst.

Dabei gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Faktoren, die hier berücksichtigt werden können: Dazu gehören z.B. das Motiv, die Art der Erstellung, eventuell abgebildete Personen, gezahlte Gebühren für Model-Honorare, sonstige Kosten, evtl. gemietetes Studio, verwendetes Equipment usw. Hinzu kommt dann noch die Art und Weise der Verwendung, wie Nutzungsdauer (redaktionell/kommerziell), Nutzungsdauer, evtl. Pflicht zur Urheber/Quellennennung, Verbreitung, Möglichkeit zur Unterlizensierung usw.

Schon an der Vielzahl der Faktoren kann man erkennen, dass es nicht so einfach ist einen pauschalen Wert für ein Bild festzulegen.

Generell gilt auch hier das Prinzip von Angebot und Nachfrage: Ein Fotograf oder eine Bildagentur bietet Fotos an und ist dabei erst einmal frei in der Preisfindung. Sicherlich werden günstige Bilder häufiger gekauft und sind stärker verbreitet, als teurere Bilder, die dafür dann auch exklusiver sind.

Viele unserer Kunden wünschen sich gerade solche Bilder, die nicht allzu verbreitet sind, da man vermeiden will, dass ein identisches Motiv an verschiedenen Stellen und bei vielen Verwendern auftauchen. Darüber hinaus haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kunden lieber ein höheres Honorar zahlen, als den Namen des Urhebers zu nennen. Sei es, weil man nicht preisgeben möchte, das das Bild aus einer externen Quelle oder von einer Agentur stammt oder weil diese Angabe das Design ggf. (zer)stören würde.

Lizenzfrei / Lizenzpflichtig 

Im Regelfall erwirbt man nicht das Foto, sondern lediglich eine Lizenz. Hier sind oft die Begriffe „lizenzpflichtig“ (rights managed) und „lizenzfrei“ (royalty free) im Spiel. Wichtig: Lizenzfrei bedeutet nicht kostenlos!

Oft glauben unerfahrene Bildverwender, dass die Unterscheidung zwischen kostenpflichtig und kostenfrei vorliegt. Das ist jedoch falsch! Für beide Varianten muss eine Lizenzgebühr gezahlt werden, wenn dies nicht generell oder unter bestimmten Bedingungen ausgeschlossen wurde.

Bei lizenzpflichtigen Bildern richtet sich der Preis nach der Art und dem Umfang der Verwendung (z.B. Druckauflage, Größe, Verwendungsdauer). Bei lizenzfreien Bildern hat das Bild einen Pauschalpreis, im Wesentlichen unabhängig von den oben genannten Faktoren. Dennoch kann es Einschränkungen geben. Nochmals sei betont, dass auf für Lizenzfreie Bilder normalerweise eine Lizenzgebühr entrichtet werden muss.

Sind Creative Commons Bilder wertlos?

Nein. Nur weil Bilder (ggf. unter bestimmten Voraussetzungen) ohne die unmittelbare Zahlung von Lizenzgebühren angeboten werden sind sie nicht automatisch wertlos. schon gar nicht, wenn man die zu Beginn genannten Faktoren berücksichtigt. Auch derartige Bilder werden mit oft teurem Equipment und nicht minderem Aufwand erstellt.

Bei der Art der Verwendung entscheidet der Rechteinhaber, unter welchen Bedingungen er seine Werke freigibt. Bilder, die unter „public Domain“ oder „CC0“ lizensiert werden, können im Regelfall ohne weitere Einschränkungen genutzt werden. Egal ob redaktionell oder kommerziell und auch ohne Benennung des Urhebers möglich.

Gängigere Creative Commons Lizenzen sind z.B. CC-BY (Urheber muss genannt werden) oder CC-BY-NC (Urheber muss genannt werden, nicht kommerzielle Verwendung gestattet). Entsprechende Abstufungen sind dabei sehr wichtig, da viele Fotografen ihr Bild z.B. nicht ohne Ihren Namen veröffentlicht sehen möchten oder die kommerzielle Verwendung ausschließen. Oft deshalb, weil das identische Bild vom Fotografen ohne diese Einschränkungen gegen die Zahlung eines Honorars angeboten wird. (s.o.)

Hierzu zwei Praktische Alltagsbeispiele, die verdeutlichen, dass auch kostenlose Gegenstände und Leistungen einen messbaren Wert haben:

  1. In vielen Orten ist das Parken auf entsprechend ausgewiesenen Fläche mit einer ordnungsgemäß eingestellten Parkscheibe kostenlos. Ohne Parkscheibe hingegen wird ggf. ein Bußgeld fällig, wenn das Ordnungsamt den Verstoß bemerkt. Diese Gebühr fällt an, obwohl das Parken mit Parkscheibe kostenlos gewesen wäre. In diesem Fall sind die Regeln sogar so streng, dass nur eine Amtliche Parkscheibe gültig ist und Parkscheiben in pink oder selbst gemalte nicht anerkannt werden.
  2. Wenn man in einem Geschäft beim Kauf von 2 Pullovern im Wert von je 20 EUR einen dritten (wertgleichen) Pullover gratis dazu bekommt, dann hat man zwar für diesen Pullover kein Geld gezahlt, aber er wird dadurch nicht wertlos, sondern hat natürlich ebenfalls einen Wert von 20 EUR.

Creative Commons Bilder haben somit ebenfalls einen Wert und sind ein wichtiges Marketing-Instrument für viele Fotografen, die so die Verbreitung ihres Namens vorantreiben können als Gegenleistung für honorarfreie Bilder. Der Fotograf verzichtet also für die Nennung seines Namens auf das Honorar, das er üblicherweise verlangen würde.

Beitragsbild: Geld, Tim Reckmann

Abmahnung von Tim Reckmann / agentur59

Kürzlich rief jemand in unserer Agentur an und sagte, er habe eine Abmahnung von Tim Reckmann bekommen für ein Bild, das er von Pixelio, Flickr oder Wikipedia heruntergeladen habe. Die Person sagte, das Bild wäre doch Lizenzfrei gewesen und wieso denn Herr Reckmann nun eine Abmahnung verschicken würde.

Grund genug, diesen Sachverhalt hier einmal ausführlicher zu beleuchten. Schließlich sind wir eine professionelle Bildagentur mit einem Portfolio aus über 100.000 Bildern, die wir größtenteils kommerziell anbieten. Wir bieten die Bilder über unsere Webseite agentur59.de unseren registrierten Kunden ausschließlich ohne Referenzierung (Nennung von Urheber und Quelle) an. Viele unserer Kunden fanden derartige Hinweise störend und wollten lieber etwas mehr bezahlen, als irgendwo einen Hinweis unterzubringen. Oft ist es auch nicht möglich, den Hinweis unter dem Bild oder am Seitenende so zu platzieren, dass man ihn zum Bild zuordnen kann. Solche Hinweise sind auch bei kostenpflichtigen Portalen wie Fotolia oder Shutterstock erforderlich. Das wissen nur viele nicht.

Viele verwechseln noch immer „lizenzfrei“ mit „kostenlos“ und denken, wenn etwas „kostenlos“ ist, dann habe es „keinen Wert“. Mit diesem Thema beschäftigen wir uns in Kürze auch einmal, denn auch Bilder, die z.B. unter Creative Commons stehen haben selbstverständlich einen Wert. Es wäre ja auch komisch, etwas als „wertlos“ zu bezeichnen, nur weil man es unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos Verwenden darf. Wenn man beim Kauf von zwei Produkten ein drittes – gleichwertiges – dazu bekommt, so ist es ja deshalb nicht wertlos, weil man nichts dafür gezahlt hat. Wie gesagt: mehr dazu in Kürze.

Neben den kostenpflichtigen Bildern veröffentlicht Tim Reckmann – ebenso wie andere Fotografen unserer Agentur – ca. 1-2 Prozent seiner Bilder auch in freien Datenbanken, wie die oben erwähnten Flickr, Wikipedia oder Pixelio. Warum? Zu Werbezwecken. Diese ausgewählten Bilder werden ausdrücklich in solchen Datenbanken veröffentlicht, wo der Fotograf als Gegenleistung für die Verwendung die Nennung seines Namens erhält. Das ist quasi das Honorar für das Bild. Umso wichtiger ist es, dass die Nennung auch vorhanden ist – und zwar so, dass sie unter dem bild oder am Seitenende steht und dem Bild zuzuordnen ist. Immer. Anderenfalls könnte man die Bilder ja auch gleich auf Portalen hochladen, wo diese Pflicht nicht besteht.

Bei über 100.000 Bildern wird auch immer wieder stichprobenartig nach Bildern im Netz geschaut. Das dient der Marktanalyse. Schließlich wollen wir ja sehen, welche Bilder wie von unseren Kunden verwendet werden.

Leider stellen wir dabei immer wieder fest, dass ein Großteil der Bilder, die wir verkaufen (und auch wie oben erwähnt gegen Kennzeichnung anbieten) immer wieder irregulär verwendet oder „geklaut“ werden.

So verschicken wir täglich dutzende E-Mails, die Webseitenbetreiber, Zeitungen, Blogger und Firmen darauf hinweisen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Dabei verzichten wir in dieser üblicherweise verschickten E-Mail ausdrücklich auf ein Honorar, sondern fordern lediglich eine kurzfristige Nachbesserung. Glücklicherweise kommen fast alle angeschriebenen Personen und Firmen dieser Forderung nach. Das ist schnell unbürokratisch und für die Gegenseite deutlich angenehmer, als würden wir direkt eine anwaltliche Abmahnung verschicken mit einer Unterlassungsaufforderung usw. – es gibt Fotografen, die gehen bei Bilderklau deutlich rigoroser vor (siehe hier), doch davon distanzieren wir uns ausdrücklich. Uns geht es um eine faire Nutzung unserer Bilder – schon deshalb, um fair gegenüber unseren Zahlenden Kunden zu sein.

Es kommt jedoch vor, dass auf unsere nett gemeinten E-Mails nicht reagiert wird. Auch dann lassen wir den Anwalt erst einmal außen vor und schreiben die Bildverwender postalisch an. Oft stellt sich dann heraus, dass man lieber eine Gebühr für die Verwendung von Bildern zahlt, als den Namen des Urhebers zu benennen. Gelegentlich ist dann die Rede davon, dass man eine Abmahnung von Tim Reckmann / agentur59 erhalten habe. Tim Reckmann ist nicht der Fotograf aller Bilder der agentur59, sondern lediglich der Inhaber der Agentur und der Verwendungsrechte sämtlicher Fotos aus dem Portfolio.

Die Mitarbeiter unserer Agentur versuchen auch für den seltenen Fall einer anhaltenden unsachgemäßen Verwendung immer mit den betreffenden Personen und Firmen in Kontakt zu treten – per E-Mail, per Brief und auch per Telefon. Wir empfehlen den betroffenen Personen und Firmen auch immer, sich juristischen Rat bei Anwälten einzuholen. Mit entsprechendem Wissen ist man dann schnell auf einer gemeinsamen Basis und im Regelfall weiss danach jeder, wie man ein Bild verwenden sollte. Eine Rechtspflicht zur „Warnung“ per E-Mail gibt es übrigens nicht, weshalb das Bestreiten des Empfangs nicht zielführend ist. Mit Ehrlichkeit kommt man im Regelfall weiter.

Wir dürfen zwar keine Rechtsberatung machen, versuchen aber hier immer wieder aus Sicht unserer Agentur ein paar Informationen aus dem Alltag zu veröffentlichen.

Bei Fragen stehen wir gerne unter mail@agentur59.de zur Verfügung und vermitteln auch gerne Kontakt zu kompetenten Anwälten.

Beitragsbild: Tim Reckmann / FotoDB.de