Buch-Tipp: Fotos rechtssicher nutzen im Internet

Unter dem Titel „Fotos rechtssicher nutzen im Internet“ ist ein neues Buch von Robert Golz und Marie Slowioczek-Mannsfeld erschienen.

Kein Buch in Hochglanz mit herausragenden Fotografien, aber auch keine Blei-Wüste mit unendlichen Texten im Juristen-Deutsch. Das Buch im A5-Format kommt trotz seiner über 200 Seiten recht kompakt daher. Das gilt nicht nur für das äußere Erscheinungsbild, sondern auch für den Inhalt dieses praktischen Nachschlagewerks.

Die Autoren sind Rechtsanwälte und kennen sich mit der Materie aus; neben Ihrer Tätigkeit als Anwälte ist Frau Slowioczek-Mannsfeld Auch als „Head of legal“ bei einem Dienstleister für für Bildlizensierungen tätig.

Das Buch besticht durch seine Übersichtlichkeit und die Vielzahl von praktischen Beispielen, die kurz und verständlich erklärt werden. Ergänzt durch kleine Piktogramme am Seitenrand erfährt der Leser so schnell und einfach, worauf er bei der Bildverwendung im Internet achten muss.

Cover: mitp-Verlag
Cover: mitp-Verlag

Das Buch unterteilt sich in drei Teile:

  1. Definitionen: Rechtssichere Verwendung von Bildern
  2. Checkliste: Worauf man beim Fotografieren achten muss
  3. Konsequenzen: Umgang mit Verstößen

Eine recht komplexe Materie wird in dem Buch in verständlichen Häppchen serviert und berücksichtigt dabei sogar aktuelle Fälle, wie das „Affen-Selfie“ bei Wikipedia.

Beispiele für weitere Inhalte:

  • Bildnutzung in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter
  • Korrekte Verwendung von Creative Commons Bildern
  • Wer hat eigentlich das Recht am Bild

Grundsätzlich würde ich dieses Buch Fotografen und Bildverwendern gleichermaßen empfehlen. Selbst wer bereits Erfahrungen in dem Bereich hat, wird sich über dieses Buch als nützlichen Begleiter freuen.

Der Preis ist mit 19,99€ auch erfreulich angenehm.
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Abmahnung auch bei Pixabay möglich

Hin und wieder hört man bei kreativen die Empfehlung, man solle doch nur noch Fotos aus solchen Quellen nutzen, die z.B. eine CC0-Lizenz anbieten – so wie z.B. Pixabay. Das sind Bilder, die unter Creative Commons stehen, aber ansonsten keinerlei Einschränkungen unterliegen (sollten!).

Wo keine Schutzrechte vorliegen, kann es auch keine Abmahnung geben, oder doch? Es gibt unserer Meinung nach gleich mehrere Punkte, die wir für bedenklich halten. Rechtliche Beratung dazu gibt es von einem Anwalt, aber hier ist unsere Einschätzung zu dem Thema.

Zuerst stellt man sich die Frage, weshalb Bilder ohne jegliche Rechte abgegeben werden sollten. Sind die Bilder so schlecht, dass es sich lediglich um „Abfallprodukte“ bei einer Produktion handelte? Augenscheinlich nicht!

Tim Reckmann, Inhaber der agentur59 meint dazu: „Als Fotograf habe ich Interesse, meine Bilder zu verkaufen. Im Regelfall wird dafür ein Honorar verlangt und für den seltenen Fall, dass mal etwas unter der Creative Commons Lizenz angeboten wird, ist es doch nur fair, wenn hier gewisse Rechte beachtet werden. Über die Urhebernennung hat der Fotograf so eine entsprechende Eigenwerbund. Es gibt keinen Grund darauf zu verzichten …“

Ein Beispiel aus dem Alltag sähe wie folgt aus: Ein Limonaden-Hersteller, der für gewöhnlich Dosen mit Cola-Getränken für z.B. 50 ct verkauft hat in der warmen Jahreszeit einen Info-Stand in einer Innenstadt, wo er sein Produkt verschenkt. Selbstverständlich sieht man überall das Logo des Herstellers. Er würde sicherlich nicht  ohne jegliche Werbung sein Produkt in neutralen Getränkebechern verschenken, denn auch wenn es sich um eine bereits bekannte Marke handelt, wird hier viel Wert auf Branding gelegt.

Abmahnung bei Creative Commons – auch bei CC0 möglich?

Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. Es gibt wohl zwei größere Felder, in denen bei Nutzung von Bildern z.B. aus oben genannter Quelle eine Abmahnung drohen könnte.

Wurde das Bild tatsächlich vom Urheber hochgeladen und freigegeben?

Wer garantiert mir eigentlich, dass ein Bild, das ich herunterlade tatsächlich von Urheber veröffentlicht wurde? Als Nutzer sehe ich Bilder in einer Datenbank und denke „oh prima, das kann ich gebrauchen“. Eine Prüfung, wie Bilder dorthin kommen, kann im Regelfall nicht vom Anbieter erfolgen. Wenn es nun Betrüger gibt, die vielleicht über die freiwilligen Spenden, die se auf Portalen wie Pixabay.de erhalten können , Geld generieren möchten, laden diese vielleicht geklaute Fotos hoch. So könnten ungefiltert unzählige Bilder, die über Google gefunden werden vom vermeintlichen Fotografen (der mit den Bildern jedoch nichts zu tun hat) eingestellt werden, ohne dass er daran die Rechte hat oder der eigentlich Urheber etwas davon weiss. Problematisch wird es nun für den Bildverwender, denn dieser ist für Veröffentlichungen von Bildern verantwortlich und darf sich nicht einfach auf die Angaben in verschiedenen Portalen verlassen. Hier gelten strenge Regeln. Nachzulesen z.B. hier:

Strenge Sorgfaltsanforderungen bei der Nutzung fremder Bilder

Es soll jetzt jedoch auch keine Panik verbreitet werden. Im Regelfall kann man den Veröffentlichungen und den gemachten Angaben trauen. Dennoch empfiehlt es sich mit dem Autor in Kontakt zu treten.

Solvente Agenturen  (z.B. Fotolia/Adobe oder Gettyimages) würden sicherlich im Falle von Forderungen einspringen, wenn ein Fotograf in gutem Glauben ein Bild gekauft hat. Bei kostenlosen Anbietern ist die Motivation sicherlich geringer, zumal dazu unserer Meinung nach auch keine Verpflichtung besteht.

Die Webseite webworker.club fasst das sehr treffend zusammen:

Wer sich nun aber darauf berufen möchte, dass alle Bilder auf Pixabay unter der CC0 Public Domain-Lizenz veröffentlicht wurde und man darauf vertraut hat, dass dies auch bei den verwendeten Bildern der Fall war, der wird mit dem deutschen Urheberrecht konfrontiert werden. Dieses kennt nämlich keinen gutgläubigen Erwerb. Es ist also nicht möglich ein Nutzungsrecht von einem Nichtberechtigten zu erwerben und dementsprechend kann man sich auch nicht auf das „angenommene“ Nutzungsrecht berufen.

Liegen tatsächlich alle Verwendungsrechte vor?

Auch hier können Dienstanbieter nur eine rudimentäre Prüfung vornehmen. Besonders bei Bildern mit Personen wird hier nicht explizit ein Model-Vertrag verlangt, sondern es gibt für die Nutzer solcher Bilder noch den nachfolgenden expliziten Hinweis:

Da Pixabay nicht für jede identifizierbare Person auf hochgeladenen Bildern einen schriftlichen Modelvertrag einfordert, können wir nicht dafür Garantieren, dass die Bilder für jede beliebige Anwendung eingesetzt werden dürfen. Sofern ein Modelvertrag für ein Bild vorliegt, übernehmen wir keine Haftung für dessen Gesetzmäßigkeit und Gültigkeit.“

Ähnliches wird auch bei Abbildungen von Gebäuden gelten, die nicht unter die Panoramafreiheit fallen. Ein illuminierter Eifelturm oder z.B. verschiedenen Burgen, Schlösser, Denkmäler oder Kunstwerke dürfen auch nicht ohne weiteres verwendet werden …

Fazit: Auch (vermeintliche) CC0-Bilder schützen nicht vor Abmahnungen. Wenn man sich an die Spielregeln hält, ist die Gefahr jedoch recht gering …

Abmahnung von Tim Reckmann / agentur59

Kürzlich rief jemand in unserer Agentur an und sagte, er habe eine Abmahnung von Tim Reckmann bekommen für ein Bild, das er von Pixelio, Flickr oder Wikipedia heruntergeladen habe. Die Person sagte, das Bild wäre doch Lizenzfrei gewesen und wieso denn Herr Reckmann nun eine Abmahnung verschicken würde.

Grund genug, diesen Sachverhalt hier einmal ausführlicher zu beleuchten. Schließlich sind wir eine professionelle Bildagentur mit einem Portfolio aus über 100.000 Bildern, die wir größtenteils kommerziell anbieten. Wir bieten die Bilder über unsere Webseite agentur59.de unseren registrierten Kunden ausschließlich ohne Referenzierung (Nennung von Urheber und Quelle) an. Viele unserer Kunden fanden derartige Hinweise störend und wollten lieber etwas mehr bezahlen, als irgendwo einen Hinweis unterzubringen. Oft ist es auch nicht möglich, den Hinweis unter dem Bild oder am Seitenende so zu platzieren, dass man ihn zum Bild zuordnen kann. Solche Hinweise sind auch bei kostenpflichtigen Portalen wie Fotolia oder Shutterstock erforderlich. Das wissen nur viele nicht.

Viele verwechseln noch immer „lizenzfrei“ mit „kostenlos“ und denken, wenn etwas „kostenlos“ ist, dann habe es „keinen Wert“. Mit diesem Thema beschäftigen wir uns in Kürze auch einmal, denn auch Bilder, die z.B. unter Creative Commons stehen haben selbstverständlich einen Wert. Es wäre ja auch komisch, etwas als „wertlos“ zu bezeichnen, nur weil man es unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos Verwenden darf. Wenn man beim Kauf von zwei Produkten ein drittes – gleichwertiges – dazu bekommt, so ist es ja deshalb nicht wertlos, weil man nichts dafür gezahlt hat. Wie gesagt: mehr dazu in Kürze.

Neben den kostenpflichtigen Bildern veröffentlicht Tim Reckmann – ebenso wie andere Fotografen unserer Agentur – ca. 1-2 Prozent seiner Bilder auch in freien Datenbanken, wie die oben erwähnten Flickr, Wikipedia oder Pixelio. Warum? Zu Werbezwecken. Diese ausgewählten Bilder werden ausdrücklich in solchen Datenbanken veröffentlicht, wo der Fotograf als Gegenleistung für die Verwendung die Nennung seines Namens erhält. Das ist quasi das Honorar für das Bild. Umso wichtiger ist es, dass die Nennung auch vorhanden ist – und zwar so, dass sie unter dem bild oder am Seitenende steht und dem Bild zuzuordnen ist. Immer. Anderenfalls könnte man die Bilder ja auch gleich auf Portalen hochladen, wo diese Pflicht nicht besteht.

Bei über 100.000 Bildern wird auch immer wieder stichprobenartig nach Bildern im Netz geschaut. Das dient der Marktanalyse. Schließlich wollen wir ja sehen, welche Bilder wie von unseren Kunden verwendet werden.

Leider stellen wir dabei immer wieder fest, dass ein Großteil der Bilder, die wir verkaufen (und auch wie oben erwähnt gegen Kennzeichnung anbieten) immer wieder irregulär verwendet oder „geklaut“ werden.

So verschicken wir täglich dutzende E-Mails, die Webseitenbetreiber, Zeitungen, Blogger und Firmen darauf hinweisen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Dabei verzichten wir in dieser üblicherweise verschickten E-Mail ausdrücklich auf ein Honorar, sondern fordern lediglich eine kurzfristige Nachbesserung. Glücklicherweise kommen fast alle angeschriebenen Personen und Firmen dieser Forderung nach. Das ist schnell unbürokratisch und für die Gegenseite deutlich angenehmer, als würden wir direkt eine anwaltliche Abmahnung verschicken mit einer Unterlassungsaufforderung usw. – es gibt Fotografen, die gehen bei Bilderklau deutlich rigoroser vor (siehe hier), doch davon distanzieren wir uns ausdrücklich. Uns geht es um eine faire Nutzung unserer Bilder – schon deshalb, um fair gegenüber unseren Zahlenden Kunden zu sein.

Es kommt jedoch vor, dass auf unsere nett gemeinten E-Mails nicht reagiert wird. Auch dann lassen wir den Anwalt erst einmal außen vor und schreiben die Bildverwender postalisch an. Oft stellt sich dann heraus, dass man lieber eine Gebühr für die Verwendung von Bildern zahlt, als den Namen des Urhebers zu benennen. Gelegentlich ist dann die Rede davon, dass man eine Abmahnung von Tim Reckmann / agentur59 erhalten habe. Tim Reckmann ist nicht der Fotograf aller Bilder der agentur59, sondern lediglich der Inhaber der Agentur und der Verwendungsrechte sämtlicher Fotos aus dem Portfolio.

Die Mitarbeiter unserer Agentur versuchen auch für den seltenen Fall einer anhaltenden unsachgemäßen Verwendung immer mit den betreffenden Personen und Firmen in Kontakt zu treten – per E-Mail, per Brief und auch per Telefon. Wir empfehlen den betroffenen Personen und Firmen auch immer, sich juristischen Rat bei Anwälten einzuholen. Mit entsprechendem Wissen ist man dann schnell auf einer gemeinsamen Basis und im Regelfall weiss danach jeder, wie man ein Bild verwenden sollte. Eine Rechtspflicht zur „Warnung“ per E-Mail gibt es übrigens nicht, weshalb das Bestreiten des Empfangs nicht zielführend ist. Mit Ehrlichkeit kommt man im Regelfall weiter.

Wir dürfen zwar keine Rechtsberatung machen, versuchen aber hier immer wieder aus Sicht unserer Agentur ein paar Informationen aus dem Alltag zu veröffentlichen.

Bei Fragen stehen wir gerne unter mail@agentur59.de zur Verfügung und vermitteln auch gerne Kontakt zu kompetenten Anwälten.

Beitragsbild: Tim Reckmann / FotoDB.de