Abmahnung auch bei Pixabay möglich

Hin und wieder hört man bei kreativen die Empfehlung, man solle doch nur noch Fotos aus solchen Quellen nutzen, die z.B. eine CC0-Lizenz anbieten – so wie z.B. Pixabay. Das sind Bilder, die unter Creative Commons stehen, aber ansonsten keinerlei Einschränkungen unterliegen (sollten!).

Wo keine Schutzrechte vorliegen, kann es auch keine Abmahnung geben, oder doch? Es gibt unserer Meinung nach gleich mehrere Punkte, die wir für bedenklich halten. Rechtliche Beratung dazu gibt es von einem Anwalt, aber hier ist unsere Einschätzung zu dem Thema.

Zuerst stellt man sich die Frage, weshalb Bilder ohne jegliche Rechte abgegeben werden sollten. Sind die Bilder so schlecht, dass es sich lediglich um „Abfallprodukte“ bei einer Produktion handelte? Augenscheinlich nicht!

Tim Reckmann, Inhaber der agentur59 meint dazu: „Als Fotograf habe ich Interesse, meine Bilder zu verkaufen. Im Regelfall wird dafür ein Honorar verlangt und für den seltenen Fall, dass mal etwas unter der Creative Commons Lizenz angeboten wird, ist es doch nur fair, wenn hier gewisse Rechte beachtet werden. Über die Urhebernennung hat der Fotograf so eine entsprechende Eigenwerbund. Es gibt keinen Grund darauf zu verzichten …“

Ein Beispiel aus dem Alltag sähe wie folgt aus: Ein Limonaden-Hersteller, der für gewöhnlich Dosen mit Cola-Getränken für z.B. 50 ct verkauft hat in der warmen Jahreszeit einen Info-Stand in einer Innenstadt, wo er sein Produkt verschenkt. Selbstverständlich sieht man überall das Logo des Herstellers. Er würde sicherlich nicht  ohne jegliche Werbung sein Produkt in neutralen Getränkebechern verschenken, denn auch wenn es sich um eine bereits bekannte Marke handelt, wird hier viel Wert auf Branding gelegt.

Abmahnung bei Creative Commons – auch bei CC0 möglich?

Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. Es gibt wohl zwei größere Felder, in denen bei Nutzung von Bildern z.B. aus oben genannter Quelle eine Abmahnung drohen könnte.

Wurde das Bild tatsächlich vom Urheber hochgeladen und freigegeben?

Wer garantiert mir eigentlich, dass ein Bild, das ich herunterlade tatsächlich von Urheber veröffentlicht wurde? Als Nutzer sehe ich Bilder in einer Datenbank und denke „oh prima, das kann ich gebrauchen“. Eine Prüfung, wie Bilder dorthin kommen, kann im Regelfall nicht vom Anbieter erfolgen. Wenn es nun Betrüger gibt, die vielleicht über die freiwilligen Spenden, die se auf Portalen wie Pixabay.de erhalten können , Geld generieren möchten, laden diese vielleicht geklaute Fotos hoch. So könnten ungefiltert unzählige Bilder, die über Google gefunden werden vom vermeintlichen Fotografen (der mit den Bildern jedoch nichts zu tun hat) eingestellt werden, ohne dass er daran die Rechte hat oder der eigentlich Urheber etwas davon weiss. Problematisch wird es nun für den Bildverwender, denn dieser ist für Veröffentlichungen von Bildern verantwortlich und darf sich nicht einfach auf die Angaben in verschiedenen Portalen verlassen. Hier gelten strenge Regeln. Nachzulesen z.B. hier:

Strenge Sorgfaltsanforderungen bei der Nutzung fremder Bilder

Es soll jetzt jedoch auch keine Panik verbreitet werden. Im Regelfall kann man den Veröffentlichungen und den gemachten Angaben trauen. Dennoch empfiehlt es sich mit dem Autor in Kontakt zu treten.

Solvente Agenturen  (z.B. Fotolia/Adobe oder Gettyimages) würden sicherlich im Falle von Forderungen einspringen, wenn ein Fotograf in gutem Glauben ein Bild gekauft hat. Bei kostenlosen Anbietern ist die Motivation sicherlich geringer, zumal dazu unserer Meinung nach auch keine Verpflichtung besteht.

Die Webseite webworker.club fasst das sehr treffend zusammen:

Wer sich nun aber darauf berufen möchte, dass alle Bilder auf Pixabay unter der CC0 Public Domain-Lizenz veröffentlicht wurde und man darauf vertraut hat, dass dies auch bei den verwendeten Bildern der Fall war, der wird mit dem deutschen Urheberrecht konfrontiert werden. Dieses kennt nämlich keinen gutgläubigen Erwerb. Es ist also nicht möglich ein Nutzungsrecht von einem Nichtberechtigten zu erwerben und dementsprechend kann man sich auch nicht auf das „angenommene“ Nutzungsrecht berufen.

Liegen tatsächlich alle Verwendungsrechte vor?

Auch hier können Dienstanbieter nur eine rudimentäre Prüfung vornehmen. Besonders bei Bildern mit Personen wird hier nicht explizit ein Model-Vertrag verlangt, sondern es gibt für die Nutzer solcher Bilder noch den nachfolgenden expliziten Hinweis:

Da Pixabay nicht für jede identifizierbare Person auf hochgeladenen Bildern einen schriftlichen Modelvertrag einfordert, können wir nicht dafür Garantieren, dass die Bilder für jede beliebige Anwendung eingesetzt werden dürfen. Sofern ein Modelvertrag für ein Bild vorliegt, übernehmen wir keine Haftung für dessen Gesetzmäßigkeit und Gültigkeit.“

Ähnliches wird auch bei Abbildungen von Gebäuden gelten, die nicht unter die Panoramafreiheit fallen. Ein illuminierter Eifelturm oder z.B. verschiedenen Burgen, Schlösser, Denkmäler oder Kunstwerke dürfen auch nicht ohne weiteres verwendet werden …

Fazit: Auch (vermeintliche) CC0-Bilder schützen nicht vor Abmahnungen. Wenn man sich an die Spielregeln hält, ist die Gefahr jedoch recht gering …

News und Infos über die agentur59

Auf vielfachen Wunsch haben wir nun eine Art Online-Tagebuch eingerichtet, dass dem geneigten Leser einen Blick hinter die Kulissen einer Bildagentur erlaubt. Dabei geht es um die Produktion von Bildern, Kunden-Akquise, Rechteüberwachung, Statistiken oder auch die Technik, die hinter der Verwaltung von über 100.000 Bildern steht. Wir werden hier nicht täglich berichten, aber es gibt immer wieder Situationen, die es wert sind, einen Kurzen Artikel darüber zu schreiben. Gerne stellen Sie uns auch Fragen oder schreiben Sie Anmerkungen zu den verschiedenen Themen. Wir freuen uns über Ihr Feedback.