Wie setzt sich der Preis von Bildern zusammen?

Immer wieder bekommen wir Fragen, wie sich der Preis eines Fotos zusammensetzt. Dabei ist der Anteil der Faktoren weniger entscheidend. Vielmehr sollte man sich einmal Gedanken machen, wo überall Kosten entstehen, bis das fertige Foto zum Download bereit steht.

Die Liste ist lang und sicherlich haben wir hier noch einiges vergessen:

  • Studiomiete / Nebenkosten
  • Modelhonorar
  • Catering
  • Kauf von Requisiten
  • Kosten für Kamera / Blitze etc.
  • Verschleißteile
  • Versicherungen
  • Büromiete / Nebenkosten
  • Büroausstattung / Büromaterial
  • Computer / Backup-Systeme etc.
  • Telefon / Internet / Webseite etc.
  • Mitarbeiter / Lohn + Lohnnebenkosten
  • Berufsgenossenschaft
  • Werbung
  • Fortbildungen / Literatur
  • Anwalt / Rechtsberatung
  • Steuern
  • Steuerberater
  • Kammerbeiträge
  • Krankenversicherung
  • Altersversorgung
  • Lohn für Fotograf / Bearbeiter

Da kommt eine Menge zusammen und wenn man sich einmal vorstellt. Am Ende ist die Fotografie für uns kein Hobby, sondern es muss zum Leben reichen. Wenn man dann noch einmal auf die obige Liste schaut, erscheinen die Preise plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Der Wert von Creative Commons und anderen Bildern

Heute wollen wir doch einmal ein paar Worte über den Wert von Bildern verlieren. Grundsätzlich ist die Preisgestaltung jedoch fast genauso individuell, wie die einzelnen Bilder selbst.

Dabei gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Faktoren, die hier berücksichtigt werden können: Dazu gehören z.B. das Motiv, die Art der Erstellung, eventuell abgebildete Personen, gezahlte Gebühren für Model-Honorare, sonstige Kosten, evtl. gemietetes Studio, verwendetes Equipment usw. Hinzu kommt dann noch die Art und Weise der Verwendung, wie Nutzungsdauer (redaktionell/kommerziell), Nutzungsdauer, evtl. Pflicht zur Urheber/Quellennennung, Verbreitung, Möglichkeit zur Unterlizensierung usw.

Schon an der Vielzahl der Faktoren kann man erkennen, dass es nicht so einfach ist einen pauschalen Wert für ein Bild festzulegen.

Generell gilt auch hier das Prinzip von Angebot und Nachfrage: Ein Fotograf oder eine Bildagentur bietet Fotos an und ist dabei erst einmal frei in der Preisfindung. Sicherlich werden günstige Bilder häufiger gekauft und sind stärker verbreitet, als teurere Bilder, die dafür dann auch exklusiver sind.

Viele unserer Kunden wünschen sich gerade solche Bilder, die nicht allzu verbreitet sind, da man vermeiden will, dass ein identisches Motiv an verschiedenen Stellen und bei vielen Verwendern auftauchen. Darüber hinaus haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kunden lieber ein höheres Honorar zahlen, als den Namen des Urhebers zu nennen. Sei es, weil man nicht preisgeben möchte, das das Bild aus einer externen Quelle oder von einer Agentur stammt oder weil diese Angabe das Design ggf. (zer)stören würde.

Lizenzfrei / Lizenzpflichtig 

Im Regelfall erwirbt man nicht das Foto, sondern lediglich eine Lizenz. Hier sind oft die Begriffe „lizenzpflichtig“ (rights managed) und „lizenzfrei“ (royalty free) im Spiel. Wichtig: Lizenzfrei bedeutet nicht kostenlos!

Oft glauben unerfahrene Bildverwender, dass die Unterscheidung zwischen kostenpflichtig und kostenfrei vorliegt. Das ist jedoch falsch! Für beide Varianten muss eine Lizenzgebühr gezahlt werden, wenn dies nicht generell oder unter bestimmten Bedingungen ausgeschlossen wurde.

Bei lizenzpflichtigen Bildern richtet sich der Preis nach der Art und dem Umfang der Verwendung (z.B. Druckauflage, Größe, Verwendungsdauer). Bei lizenzfreien Bildern hat das Bild einen Pauschalpreis, im Wesentlichen unabhängig von den oben genannten Faktoren. Dennoch kann es Einschränkungen geben. Nochmals sei betont, dass auf für Lizenzfreie Bilder normalerweise eine Lizenzgebühr entrichtet werden muss.

Sind Creative Commons Bilder wertlos?

Nein. Nur weil Bilder (ggf. unter bestimmten Voraussetzungen) ohne die unmittelbare Zahlung von Lizenzgebühren angeboten werden sind sie nicht automatisch wertlos. schon gar nicht, wenn man die zu Beginn genannten Faktoren berücksichtigt. Auch derartige Bilder werden mit oft teurem Equipment und nicht minderem Aufwand erstellt.

Bei der Art der Verwendung entscheidet der Rechteinhaber, unter welchen Bedingungen er seine Werke freigibt. Bilder, die unter „public Domain“ oder „CC0“ lizensiert werden, können im Regelfall ohne weitere Einschränkungen genutzt werden. Egal ob redaktionell oder kommerziell und auch ohne Benennung des Urhebers möglich.

Gängigere Creative Commons Lizenzen sind z.B. CC-BY (Urheber muss genannt werden) oder CC-BY-NC (Urheber muss genannt werden, nicht kommerzielle Verwendung gestattet). Entsprechende Abstufungen sind dabei sehr wichtig, da viele Fotografen ihr Bild z.B. nicht ohne Ihren Namen veröffentlicht sehen möchten oder die kommerzielle Verwendung ausschließen. Oft deshalb, weil das identische Bild vom Fotografen ohne diese Einschränkungen gegen die Zahlung eines Honorars angeboten wird. (s.o.)

Hierzu zwei Praktische Alltagsbeispiele, die verdeutlichen, dass auch kostenlose Gegenstände und Leistungen einen messbaren Wert haben:

  1. In vielen Orten ist das Parken auf entsprechend ausgewiesenen Fläche mit einer ordnungsgemäß eingestellten Parkscheibe kostenlos. Ohne Parkscheibe hingegen wird ggf. ein Bußgeld fällig, wenn das Ordnungsamt den Verstoß bemerkt. Diese Gebühr fällt an, obwohl das Parken mit Parkscheibe kostenlos gewesen wäre. In diesem Fall sind die Regeln sogar so streng, dass nur eine Amtliche Parkscheibe gültig ist und Parkscheiben in pink oder selbst gemalte nicht anerkannt werden.
  2. Wenn man in einem Geschäft beim Kauf von 2 Pullovern im Wert von je 20 EUR einen dritten (wertgleichen) Pullover gratis dazu bekommt, dann hat man zwar für diesen Pullover kein Geld gezahlt, aber er wird dadurch nicht wertlos, sondern hat natürlich ebenfalls einen Wert von 20 EUR.

Creative Commons Bilder haben somit ebenfalls einen Wert und sind ein wichtiges Marketing-Instrument für viele Fotografen, die so die Verbreitung ihres Namens vorantreiben können als Gegenleistung für honorarfreie Bilder. Der Fotograf verzichtet also für die Nennung seines Namens auf das Honorar, das er üblicherweise verlangen würde.

Beitragsbild: Geld, Tim Reckmann