Creative Commons: Reformvorschlag

Wir hatten vor einiger Zeit hier im Blog überlegt, ob Creative Commons evtl. zu kompliziert ist. Da wir uns als Bildagentur diesen Verbreitungsweg mit einem kleinen Teil unserer Bilder nutzen, um für unsere Fotografen zu werben, haben wir vielleicht ein anderes Verständnis dafür, als der Endverbraucher. Zwar gibt es viele gute Erklärungen, aber schon die Ausführlichkeit selbiger lässt erahnen, dass man eine CC-Lizenz vielleicht doch nicht in einem Satz erklären kann.

Seit Einführung der Creative Commons Lizenzen vor ca. 20 Jahren hat sich einiges verändert. Jedoch nicht immer nur zum Guten – zumindest nicht aus Sicht der Fotografen. Egal, wie einfach oder kompliziert eine Regelung ist – man sollte sie schon befolgen, da die Regelung selbst sonst überflüssig wird. Aus dem Grund lehnen wir die CC 4.0 Lizenz auch ab, die bei Verstößen eine „Heilungs-Frist“ von 30 Tagen vorsieht. Es gäbe für Bildverwender gar keinen Grund mehr, sich an die Regeln zu halten. Man müsste in dem Fall ja erst tätig werden, wenn der Rechteinhaber den Verstoß meldet. Das wäre vergleichbar mit eine Situation, dass man bei einem falsch geparkten Auto keinen Strafzettel erhält, sondern lediglich einen Hinweis, dass ein Strafzettel folgt, wenn man sein Auto nicht innerhalb von 30 Tagen wegfährt. Folglich könnte man sein Auto überall abstellen, wenn man ohnehin nur beabsichtigt für kurze Zeit irgendwo zu stehen. Die Folge wäre, dass sich kaum jemand mehr einen Parkschein zieht oder sich an Regeln hält. Am Ende macht diese Regelung für den Rechteinhaber lediglich mehr Arbeit.

Obwohl wir unsere CC-Bilder unter der 2.0 Lizenz anbieten senden wir – ohne dazu rechtlich verpflichtet zu sein – einen Hinweis mit Bitte zur Nachbesserung, wenn wir einen Verstoß sehen. Dabei halten wir 48 Stunden für eine angemessene Reaktionszeit. Schließlich hat fast jeder ein Smartphone und kann von überall aus Informationen empfangen.

Unser Reformvorschlag

Wir haben uns ein paar Punkte überlegt, wie man die Creative Commons Lizenzen reformieren, modernisieren und an den Arbeitsalltag anpassen kann.

1. Wichtige Bausteine

Wie bisher auch, setzt sich die Lizenz aus den wichtigen Bausteinen:

  • 0 (null) = völlig freie Lizenz, keine Angaben erforderlich
  • BY = Nennung des Urhebers erforderlich
  • NC = Keine kommerzielle Verwendung
  • ND = Keine Veränderungen gestattet
  • SA = Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Diese Bausteine sind die Pflichtangaben. Anhang der kurzen Liste ist für jeden leicht verständlich, wie sich der Urheber den Umgang mit seinem Werk vorstellt und welche Angaben gefordert werden. Diese Bedingungen müssen zwingend erfüllt werden. Ist es einem Urheber egal, was mit seinem Werk passiert, dann kann er ja die CC0-Lizenz wählen. Fordert er jedoch explizit eine der genannten weiteren Angaben, dann sind diese zu erfüllen. Ohne „Heilungs-Frist“! Neben den Ausführungen oben würde sich die Frage stellen, was passiert, wenn ein Urheber die kommerzielle Verwendung ausschließt, der Bildverwender aber munter Geld mit seinen Bildern verdient – bis er darauf hingewiesen wird dies zu unterlassen. Dadurch werden die wirtschaftlichen Interessen der Bildverwender über die der Urheber gestellt. Ein falsches Signal.

2. zusätzliche Angaben

Ergänzend zu den genannten Bausteinen gibt es noch weitere Dinge, die bei der korrekten Verwendung der Bilder unter Creative Commons Lizenz erforderlich sind:

  • Benennung des Original-Titels
  • Verlinkung des Bildes mit der Quelle
  • Angabe und Verlinkung der Lizenz

An dieser Stelle macht eine „Heilungs-Frist“ durchaus Sinn. Dieser Bereich kann sehr umständlich und komplex werden und hier können sich auch schnell Fehler einschleichen. Angaben zur Lizenz schaden jedoch nicht direkt dem Urheber. Auch die Angabe des Originaltitels ist von eher untergeordneter Wichtigkeit. Lediglich die Verlinkung mit der Quelle ist im Bezug auf Backlinks durchaus relevant. Wenn diese Verlinkung nachgeholt wird ist es jedoch unproblematisch. Wenn das Bild ohnehin nur kurz online wäre, dann bringt auch dieser Backlink im Regelfall wenig.

3. Regelung für die Verwendung in sozialen Netzwerken

Die Verwendung in sozialen Netzwerken ist bisher nicht bzw. nur sehr schwammig geregelt. Viele Netzwerke lassen sich vom Uploader eines Bildes vollumfängliche Rechte einräumen, inkl. des Rechts auf Unterlizenzierung. Somit wäre für Bildverwender eigentlich jedes Bild für die Verwendung tabu, das über die CC0-Lizenz hinausgeht. Die gängige Praxis sieht jedoch anders aus. Hier muss auch zwischen Vorschaubildern (Bilder die das Netzwerk automatisch setzt, wenn ein Artikel verlinkt wird) und hochgeladenen Bildern (explizit übertragene Fotos) unterschieden werden. Die Verwendung von Vorschaubildern sollte in Creative Commons generell gestattet werden. Alles Andere wäre Praxisfern. Beim Hochladen von Bildern sollte der Urheber ein Mitspracherecht bekommen. Dazu wäre die Schaffung eines zusätzlichen Bausteins sinnvoll:

  • NS (No Social): Keine Verwendung in sozialen Netzwerken

Dieser neue Baustein sollte dann auch so behandelt werden, wie die unter 1. Aufgeführten Bausteine. Die Entscheidung, ob ein Bild in sozialen Netzwerken geteilt werden darf oder nicht ist ebenfalls eine Pflicht Angabe. Hier ist eine „Heilung“ deshalb nicht möglich, da eine einmal erteilte Lizenz (vom Uploader an das Netzwerk) nicht widerrufen werden kann.

Zusammenfassung

Die Grund-Idee der Creative Commons Lizenzen finden wir weiterhin gut. Es müssen nur von zeit zu Zeit Anpassungen vorgenommen werden und Dinge korrigiert werden, die fasche Signale senden. Daher wünschen wir uns folgende Änderungen:

  • Pflicht zur Beachtung der wichtigen Bausteine
  • Heilungs-Frist bei untergeordneten Verstößen
  • Regelung für die Verwendung in sozialen Netzwerken

Das sind die ersten Ansätze, die möglichst einfach gehalten und so allgemein verständlich sind.

Offene Fragen und Bedarf zur Konkretisierung

Einige Punkte sind bisher ein wenig „schwammig“ formuliert. Hier mussten in der Vergangenheit oft Gerichte entscheiden. Dort werden entsprechende Kapazitäten gebunden und es bleibt eine Rechtsunsicherheit.

  • Wie sieht die „angemessene Kennzeichnung“ aus?
  • Wie sind „Vorschaubilder“ zu behandeln?
  • Was ist eine kommerzielle / nicht kommerzielle Verwendung?
  • Welche Folgen (ggf. Kosten) sind bei einem Verstoß zu erwarten?
  • Wie ist mit Anwaltskosten bei Abmahnungen zu verfahren?

Zu diesen Punkten machen wir uns gerade Gedanken. Unsere ersten Ansätze dazu lauten wie folgt:

  • Eine „angemessene Kennzeichnung“ des Bildes hat zu zu erfolgen, dass vom Bild eindeutig auf den Urheber und die weiteren Angaben geschlossen werden kann. Ideal ist hier natürlich eine Angabe direkt unterhalb des Bildes. Eine Namen-Liste im Impressum ist nicht ausreichend; hier wäre eine Übersicht mit Thumbnails und nebenstehenden Angaben sinnvoll. In Druckwerken ggf. Seitenzahlen zur Konkretisierung.
  • Wenn Vorschaubilder auf einen Hauptartikel verweisen, dann reicht die Angabe an dortiger Stelle aus. Sie hat jedoch auch dann zu erfolgen, wenn das Vorschaubild nicht ein weiteres Mal im verlinkten Artikel vorhanden ist.
  • Faustformel wäre: „Wo Geld verdient wird, ist es eine kommerzielle Verwendung“. Hier müsste man jedoch explizit Zeitungen, Magazine und private Blogs ausnehmen – selbst wenn diese Werbung enthalten. Firmen-Webseiten – auch mit News- und Blog-Artikeln hingegen würden wir als „kommerzielle Verwendung“ einstufen.
  • Da es in der Vergangenheit häufig Verfahren gab zwischen Fotografen und Bildverwendern, wäre ein fester Satz bei Verstößen wünschenswert. Wenn eine Art „Bußgeldkatalog“ festgelegt wäre, dann würden die Gerichtsverfahren auf ein Minimum reduziert. Hier müsste lediglich unterschieden werden (auf der Urheber-Seite) zwischen Hobby- und Berufsfotograf (am besten mit Definition) und bei der Verwendung in sehr vereinfachter Form ähnlich wie bei der Mittelstandsgemeinschaft für Fotomarketing (MFM). Beispiel: Das Bild eines Hobby-Fotografen wird bei nicht kommerzieller Nutzung nicht korrekt = 100 EUR. Das Bild eines Berufsfotografen wird auf einer gewerblichen Seite nicht korrekt genutzt = 250 EUR. Einen entsprechenden einfachen (!) Bußgeldkatalog arbeiten wir zur zeit aus. Wichtig wäre dabei, dass die Kosten zwischen „es muss schon Geld kosten“ (z.B. 50 EUR) und „es sollte ein Überschaubarer betrag bleiben“ (z.B. 250 EUR) liegt. Gerichte urteilen gewöhnlich, dass der Betrag angemessen ist, der gewöhnlich auch gezahlt würde und verdoppeln diesen dann bei unrechtmäßiger Nutzung. Unserer Meinung nach sollte es eine Deckelung des Preises bei 250 EUR geben.
  • Wenn die Regelungen eindeutig sind, würde vorerst kein Anwalt erforderlich sein. Anwaltskosten sind nur dann bei unsachgemäßer Verwendung zu erstatten, wenn eine Einigung mit dem Urheber im Vorfeld zu keinem Ergebnis führte. Dies schützt den Urheber gleichzeitig vor Abmahnungen in denen neben einer Schadenersatzforderung auch zusätzlich ein Anwaltshonorar gefordert wird.

Wir würden uns über Feedback zu unseren Vorschlägen und Ansätzen sehr freuen …

Foto: Justitia, Tim Reckmann